Vorhang auf für Büezer, Cowboys und fünf Starkstrom-Kumpels
Die Zeit scheint am Stars in Town schneller zu laufen. Mit dem dritten ausverkauften Festivaltag in Folge findet die erste Woche bereits ihren Abschluss. Gölä, The BossHoss und Megawatt sorgen dafür, dass einen das Fernweh packt und man sich ein Motorrad schnappen und über einen breiten Highway brettern möchte. Bodenständige Musik mit Gute-Laune-Garantie.
Megawatt: Die bescheidenen Charts-Spitzenreiter
Wenn es einen Preis für Bescheidenheit gäbe, hätte Megawatt ihn schon jetzt gewonnen. Zwei Bandmitglieder sind in der Stadt einmal falsch abgebogen und auf der Talent Stage gelandet, mit voller Überzeugung, dass dies der Ort ihres Auftritts sei. Doch für die Ostschweizer geht es noch etwas weiter nach oben, und auf dem Herrenacker ist es bei Konzertbeginn so voll wie selten um diese Zeit. Die Spielfreude spiegelt sich in der Publikumsinteraktion wider; der Platz ist mittendrin statt nur dabei. Ein Miteinander über das gesamte Set.
Bi diar han i so es Heimatgfühl
So es Gfühl wie i no keis ha gspürt
Will i mi no nie so frei ha gfühlt
Aso wie bi diarHeimatgfühl, Megawatt
Zwischen ihren eigenen Songs, die begeistert mitgesungen werden, huldigen Megawatt auch ihren Lieblingsbands mit einem Medley. Legenden wie Metallica, Iron Maiden, Guns N’ Roses oder AC/DC sind schliesslich der Grund dafür, warum die Band überhaupt entstanden ist. Metallica sind bekannt dafür, dass sie bei Konzerten in der Schweiz einen Song einer lokalen Band covern. Vielleicht ist das irgendwann Heimatgfühl von Megawatt. Dann würde sich der Kreis schliessen.
The BossHoss: Wie eine Saloon-Rauferei auf Steroiden
Wüstengras rollt durch die einsame Prärie, ein Cowboy reitet in eine menschenleere Stadt, bevor sich ihm in der Ferne ein anderer im Staub entgegenstellt. Es kann nur einen geben, und das wissen beide. In dieses Setting passen The BossHoss wie die Faust aufs Auge. Was sich auf der Bühne abspielt, ist dieselbe Szene in einer anderen Zeit. Es passiert so viel gleichzeitig, dass es wie eine choreografierte Rauferei wirkt. Während einer am Bühnenrand alles aus seinem Saxofon holt, tanzen die Trompeter um die Wette.
I'm riding so high, never looking down
If I whistle in the wind, good to be around
Don't worry, hang on and keep your track
I'll be back
I'll be backI'll Be Back, The BosHoss
Die Formation um Alec Boss Burns Völkel und Sascha Hoss Power Vollmer besteht aus lauter Maschinen mit scheinbar unendlicher Energie. Kein Wunder, dass sie sich auf ihrem neuen Album mit keinem Geringeren als dem Terminator zusammengetan haben. I’ll Be Back ist eine Zusammenarbeit mit Arnold Schwarzenegger. Wenn ihr laut genug seid, kommt er vielleicht, kündigen sie augenzwinkernd an. Bei Don’t Gimme That sind sämtliche Hände im Publikum in der Höhe, und der ganze Platz groovt mit.
Gölä: Den Nationalfeiertag um einen Abend vorverlegt
Die Texte von Gölä sind hierzulande so bekannt, dass schon ein Schwan auf dem Rhein einen Ohrwurm auslösen kann. Seit seinem Durchbruch mit Uf u dervo im Jahr 1998 gehören seine Songs zum kollektiven Schweizer Gedächtnis. Das Debütalbum blieb über zwei Jahre in den Charts und löste einen Mundartboom aus. Der gelernte Maler wurde als Büezer bekannt, doch als Headliner kleckert er nicht. Entsprechend gross fährt der Berner bereits beim Intro auf. Alle Bandmitglieder werden auf der LED-Wand mit individuellen Visuals vorgestellt.
Du hesch äs Lache wi nis no nie ha gseh
Wo du bisch, dert gits keni Träne meh
U äs git nüüt, wo'ni nid miech für Di
Du bisch guet für mi
Sit i Di ha gseh, git's für mi keini Träne mehKeini Träne Meh, Gölä
Gölä nennt sich selbst im gleichnamigen einen Wilde Siech, trägt unter seiner Rocker-Fassade aber einen weichen Kern. Keini Träne meh ist einer jener Songs, die seine romantische Seite offenbaren. Selbstironie ist dem Musiker ebenfalls nicht fremd. Er gesteht ein, dass er seine eigenen Texte vergisst. Das liege aber nicht daran, dass er älter werde: Er sei schon doof auf die Welt gekommen. Nach einem Gölä-Konzert weiss man, was er mag und was nicht. Er ist ein offenes Buch und trägt das Herz auf der Zunge.
Ä Schwan so wiss wie Schnee
Vrgässe was isch gscheh, jeeh
U d'Flüguu trage sie so wit
Wius keni Gränze meh gitSchwan, Gölä
Im bereits zweiten Zugabenblock folgen mit Schwan und I hätt no viu blöder ta zwei seiner grössten Hits. Danach bringt Gölä die Nationalhymne auf die Bühne. Passend zum 1. August hat Gölä nämlich am Tag seines Stars-in-Town-Auftritts gemeinsam mit dem Jodlerklub Wiesenberg eine neue Aufnahme der Hymne veröffentlicht. Ein passender Abschluss für einen Konzertabend, der den Nationalfeiertag um ein paar Stunden vorverlegt.
Fotos: Julius Hatt, Laura Rubli, Jasmin Müller
Video: absolutturnus.ch
Text: Christian Meier