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30. Juli 2026

So war der Donnerstag mit Lewis Capaldi, Meek und Soft Loft

Vom Opener zum Headliner, von der Talent Stage auf die Hauptbühne und ein erster Auftritt in der Schweiz

2019 eröffnete Lewis Capaldi den Abend für James Bay und Bastille. Schon damals war klar, dass der Schotte zu Grösserem bestimmt ist. Sein Aufstieg war nicht zu bremsen, bis ihm seine Tourette-Erkrankung einen grossen Strich durch die Rechnung machte. Eine schonungslos ehrliche Netflix-Dokumentation zeigt das Leiden des sympathischen Musikers auf herzzerreissende Weise. Dass Capaldi nun nach Schaffhausen zurückkehrt, ist alles andere als selbstverständlich. MEEK spielt am Stars in Town ihr erstes Schweizer Konzert überhaupt, und vier Jahre nach ihrem Auftritt auf der Talent Stage stehen Soft Loft auf der grossen Bühne.

Soft Loft: Sanftheit als kollektive Stärke

Nicht nur mit unserer Talent Stage ist die Formation um Sängerin Jorina Stamm bestens vertraut; Soft Loft sind auch in der Romandie bei prestigeträchtigen Festivals wie dem Paléo und dem Montreux Jazz Festival aufgetreten. Die Band kehrt das Innenleben nach aussen und sprudelt dabei vor Kreativität. Auf ihrer EP Modern Roses überlegen sie sich Alternativen zum Verschenken von Rosen als Zeichen der Zuneigung. Der Song Paper Plane spielt mit dem Gedanken, dass Papierflieger moderne Rosen sind und der direkte Dialog von Mensch zu Mensch zunehmend von digitaler, schriftlicher Kommunikation abgelöst wird. Die Qualität einer Unterhaltung hängt dadurch immer stärker davon ab, wie gut man sich schriftlich ausdrücken kann.

modern roses are paper planes
modern talking is texting right
my roomate rented a private jet
what's life, what's life, mmmm

Obwohl die Band die ruhigen Klänge zelebriert, versteckt sie sich nicht. Die Auszeichnung SRF Best Talent haben Soft Loft längst eingefahren, nächstes Ziel ist es, auch im Ausland Fuss zu fassen. Mit ihrem Arbeitsethos sind sie gerade dabei, genau das zu erreichen. Ihre diesjährige Tour führt sie in Länder wie Deutschland, die Niederlande, Ungarn, Belgien, Grossbritannien und eine Menge mehr.

MEEK: Hier schlummert das Headliner-Gen nicht nur, es brüllt

Sie kam, sah und erstrahlte. Flankiert von zwei Backgroundsängerinnen, die an die Freiheitsstatue in New York erinnern, schreitet MEEK unter einem Fransenhut verborgen über die Bühne. Sie fragt nicht, wie sie aussieht, sie singt es mit Ausrufezeichen gleich selbst: I look fuckin‘ fabulous! Lange dauert es nicht, bis sie ihren unnahbaren Schleier lüftet und mit herzlichem britischem Akzent erklärt, wie sehr sie sich freue, zum ersten Mal in der Schweiz zu sein.

I just got my heart broken, but I look fuckin' fabulous
Yeah, I'm back in therapy, but I look fuckin' fabulous
Tax man took my money, but I'm feelin' fuckin fabulous
I ain't sad, I'm just feelin' fuckin' fabulous

Musikalisch erinnert die Londonerin an MARINA (ehemals Marina And The Diamonds). Mit ihrem Stimmumfang wechselt sie mühelos zwischen Falsett und normaler Gesangsstimme. Die Kompositionen haben Drive, sind aber mehr als bloss Dance Pop. Die Texte geben der Arbeiterklasse aus der MEEK stammt eine Stimme, handeln vom Anderssein und davon, wie wunderschön das sein kann. Ihre romantischen bisexuellen Beziehungen behandelt die Sängerin ebenso, wie psychische Gesundheit. Egal, ob fröhlich oder düster, die Britin verwandelt ihre Texte in euphorische Songs, die ein gutes Gefühl hinterlassen. Von dieser talentierten Musikerin wird man bestimmt noch eine Menge hören.

Lewis Capaldi: In den Ansagen ein Comedian, in den Songs ein Herzensbrecher

Wir haben viel gelernt. Lewis Capaldi würde uns alle heiraten, auch wenn das wahrscheinlich illegal wäre. Er hasst Katzen, weil er als Kind von his gran’s pussy gekratzt wurde, und er ist über das Jubiläumsprogramm von Stars in Town im Bilde. Besonders von Lenny Kravitz ist er beeindruckt. Er habe ein Video gesehen, in dem Kravitz während eines Konzerts die enge Hose im Schritt gerissen sei, und finde das sehr unterhaltsam. Wahrscheinlich macht der Schotte zwischen seinen Songs so viel Klamauk, damit man die Traurigkeit in seinen Kompositionen ohne Heulkrämpfe übersteht und trotz Melancholie ein Lächeln auf den Lippen behält.

I'm waiting up, saving all my precious time
Losing light, I'm missing my same old us
Before we learned our truth too late
Resigned to fate, fading away

Bei seiner Rückkehr nach Schaffhausen hat sich Capaldi in der Rhybadi abgekühlt. Sein Debüt auf dem Herrenacker gab er 2019, das letzte gute Jahr, wie er anmerkt. Danach kam Corona, und im Anschluss verschlechterte sich sein körperlicher und mentaler Zustand immer mehr, während er kommerziell immer erfolgreicher wurde. 2023 war kein leichtes Jahr für den Schotten. Er musste sich eine Auszeit nehmen und wusste nicht, ob und wann er wieder auf Tour gehen könnte. Dass es ihm jetzt so gut geht und er sich auf der Bühne sichtlich wohl fühlt, ist herzerwärmend. Er wird getragen von der Liebe seiner Fans.

Now, the day bleeds into nightfall
And you're not here to get me through it all
I let my guard down and then you pulled the rug
I was getting kinda used to being someone you loved

Den Song Hold Me While You Wait muss er ganze viermal neu starten, weil er immer aus dem Takt gerät, sobald das rhythmische Klatschen der Fans einsetzt. Solche Momente sind Situationskomik vom Feinsten und tragen wesentlich zu einer unvergesslichen Show bei. Es ist nicht so, dass Capaldi seine Kompositionen nicht ernst nimmt; er performt Bruises oder Before You Go voller Inbrunst und Stimmgewalt, nimmt sich dabei aber selber nie zu ernst. Er wirkt wie einer von uns. Mit T-Shirt und Strubbelfrisur steht er unprätentiös auf der Bühne, obwohl er längst einer der ganz Grossen im Geschäft ist. Diese Nahbarkeit und sein Humor runden nebst seinen Songs das Gesamtbild von Lewis Capaldi ab. Sein Schlusssong mag Someone You Loved heissen, aber für uns ist er ist definitiv Someone We Love.